marc gröszer
works
|
o.T., 2012
mixed media on board
21 x 20 cm
|
Checkpoint, Fussgängerübergang, 2012
mixed media on board
19 x 17 cm
|
Probleme, Probleme, Probleme, 2012
mixed media on board
22 x 57 cm
|
|
o.T., 2012
mixed media on board
23 x 21 cm
|
Netzwerk, 2012
mixed media on board
20 x 18 cm
|
Rosenthal I, 2012
mixed media on board
21 x 30 cm
|
|
Rosenthal II, 2012
mixed media on board
21 x 30 cm
|
Henry Rollins, 2012
Watercolour on canvas
30 x 24 cm
|
Jesus spricht in Bethanien, 2012
mixed media on board
30 x 21 cm
|
|
Konsistenz, 2011
Bronze
30 cm
|
o.T., 2011
Bronze
30 cm
|
Ex-Flötenspieler, 2011
Bronze
30 cm
|
|
o.t. , 2011
ink on hardboard
58 x 60 cm
|
u.d.p., 2010
ink on plywood
32 x 20 cm
|
in ist - wer drin ist, 2010
ink on plywood
15 x 20 cm
|
|
Selbstbildnis als Smutje, 2010
ink on plywood
20 x 15 cm
|
hackebeilchen des todes, 2010
ink on plywood
32 x 20 cm
|
prora, 2010
ink on plywood
20 x 15 cm
|
|
escape from desaster I, 2010
ink on plywood
32 x 20 cm
|
angelus novus - spasti, 2010
ink on plywood
22 x 16 cm
|
catholic girls, 2006
mixed media on hard board
110 x 77 cm
|
|
o.T., 2008
ink on paper
202 x 205 cm
|
was nun?, 2007
ink on paper
230 x 220 cm
|
ich möc, 2005
mixed media on canvas
95 x 60 cm
|
|
o.T. (in collaboration with Hagen Klenne...
mixed media on hardboard
43 x 77 cm
|
block E, 2004
ink and edding on pressboard
170 x 100 cm
|
salz, 2005
mix media on canvas
99 x 101 cm
|
|
dendrophil, 2005
ink and edding on hardboard
60 x 69 cm
|
kundera rules, 2005
mixed media on pressboard
35 x 28 cm
|
bio
*1973
in Berlin, Germany |
education
2003
Meisterschüler at Kunsthochschule Berlin-Weißensee |
1994-2001
MA Sculpture at Kunsthochschule Berlin-Weißensee |
grants / awards
2008
Grant of Eberhard Roter Foundation, Preussische Seehandlung, Berlin in colaboration with the Berlinische Galerie, Berlin |
2002/03
Working grant Athens, Greece |
1997-2001
Grant of the German National Academic Foundation |
solo shows
2012
Occupy Wendt+Friedmann (Block the system. Die kulturellen Verhältnisse zum Einsturz/Tanzen bringen. Wendt raus aus Kreuzberg!) Wendt+Friedmann, Berlin, DE |
2011
Moritz Schleime und Marc Gröszer, Städtisches Museum Engen + Galerie, Engen, DE |
2010
Kontext des Nichts, Wendt + Friedmann Galerie, Berlin, DE |
2009
APEX pro art e.V. Göttingen, DE |
2008
Asche, Wendt + Friedmann Galerie, Berlin, DE |
2007
in the Deckung, Kunstraum Heiddorf, Kaliß, DE |
2006
$, Galerie Andreas Wendt, Berlin, DE |
2005
Frankfurter Applaus, Galerie Andreas Wendt, Berlin, DE |
2004
nicht dicht genug dran, Galerie Pankow, Berlin, DE (Catalogue) |
group shows
2012
Apokalypse/Utopie, Städtische Galerie Pankow, Berlin, DE |
2011
Vierunddreißig zu Kleist, kunstprojekte e.V., St. Marien Frankfurt/Oder, DE |
2010
Superkeit, Anna Klinkhammmer Galerie, Düsseldorf, DE |
2009
Zaunkönig, Wendt+Friedmann Galerie, Berlin, DE |
2008
Poetic Memory, TH Gallery, Den Haag, NL |
2007
Prime Time, Wendt + Friedmann Galerie, Berlin, DE |
2006
PAYBACK, Galerie Andreas Wendt, Berlin, DE |
2005
Divine, Galerie Andreas Wendt, Berlin, DE |
2004
Thema, Galerie Gesellschaft Berlin, Berlin, DE |
2003
i will survive, Kamalakulus Galerie, Athens, Greece |
2001
Containerlove vs. Das Gesicht des Bösen, Endart, Berlin, DE |
1999
Enten füttern am Teich, with Evi Mayr and Ko Warum, Brecht-Haus Weißensee, Berlin, DE |
publications / catalogues
2012 Early Birds, Städtisches Museum Engen, Engen (Hrsg.) |
press
2012
Ingeborg Ruthe, Treten Sie ein in Gottes Abstellkammer, 14 June 2012
|
2010
Anna Pataczek, Kunst des Sündigens, Der Tagesspiegel, 26 June 2010
|
2009
Ingeborg Ruthe, 54 kleine Vögel aus einer großen Kunstfamilie, Berliner Zeitung, 17 September 2009
|
2008
Sophie von Maltzahn, Das sind doch alles Bombenleger, Die Welt, 15 March 2008
|
2007
Einblick, taz, 27 June 2007
|
2005
Ingeborg Ruthe, Mit zärtlicher Brutalität, Berliner Zeitung, Feuilleton, 30 August 2005
|
Peter Herbstreuth, In Parallelwelten, Der Tagesspiegel, 27 August 2005
|
text
Der Prothesengott Marc Gröszer ist ein Zeichner. Einer, der die altmeisterliche Linie souverän beherrscht. Und diese bisweilen auch gezielt einsetzt, um Bildgegenstände präzise zu umreißen. Diese Virtuosität der zeichnerischen Handhabung ist jedoch kein Mittel an sich. Sie formuliert kein bildnerisch in sich abgeschlossenes Ideal. Ihre Gegenstandsbezeichnung verbleibt zumeist im Fragmentarischen. Und auch dann bezeichnet sie weniger, als dass sie den Blick spurt in eine Welt furchtbarer und fruchtbarer Gestaltwerdung, in der das Chaos herrscht, die Gewalt – aber auch eine bis zur Selbsthäutung reichende Verletzlichkeit und durch jede Linie vibrierende Anteilnahme. Ichtopographie (Abb.): Ein weiß gehöhter Kopf vor schwarzdunklem Hintergrund, blicklose, sehend-blinde Augen, darüber ein drittes, ungeformt gerundet, wie im Werden begriffen, die Nase eine phallische Frucht, der schmale von Bartstoppeln umstandene Mund und darüber, in vertikaler Achse, das kreisrund ausgefräste Loch des an seinen Ecken gerundeten Bildträgers. Die Ambivalenz dieses Kopfes liegt nicht nur im offensichtlich Androgynen, im korrespondierenden Licht-Schatten-Kontrast der geformten und ungeformten Rundformen, deren zentrifugale Energieströme die gesamte Bild- und Gesichtsfläche durchwirken. Die von Auge, Nase und Stirn radial ausgreifenden Linien bilden gleichsam die Koordinaten einer Gesicht-Kopf-Bild – Topographie, die weit über ein typisiertes Porträt hinausgreift. Der Bildträger bezeichnet eine vorgefundene, in ihren elementaren Form- und Triebkräften existente, versehrte Welt, in die das Bildnis eingefügt ist, aus der das Bildnis herauswächst. Ich und Welt verbinden sich zu einem topographischen Kräftefeld. Dabei ist das Ich keine definierte Identitätsform, es durchläuft vielmehr einen Prozess zwischen Verortung, Transformation und Gewahrwerdung. Die Nutzung vorgefundener, poverer Materialien als Bildträger ist charakteristisch für die Arbeitsweise Marc Gröszers. Der vor seiner Bezeichnung bereits vom Gebrauch gezeichnete Bildträger regt nicht nur die gestalterische Phantasie des Künstlers an. Seine fühlbare, durch Flecken, Abrisse, Löcher etc. hervorgerufene Qualität vermittelt eine prämorphe Welthaltigkeit, deren Potenzial „angezapft“ und zu Figurationen aktiviert und verdichtet wird. Die (rauhe) Oberfläche des Materials, seine Abschürfungen, Schrammen und Narben bilden eine Art zweite Haut, in die die Umrisse der Figuren eingezeichnet, eintätowiert werden. In diesem Prozess gegenseitiger Anverwandlung verschwinden die Grenzen zwischen Gestalt und Ungestalt. Form und Material verbinden sich zu einem individuelle und kollektive Prozesse überblendendem, existenziellen Ausdrucksträger. Wer von der Figur oder der kontextuell gebundenen Figuration im Werk Marc Gröszers spricht, bewegt sich bereits auf einer sprachlich übergeordneten Deutungsebene der Bildgegenstände. Ins Eigentliche gesprochen ist es der Körper, durch den und auf dem Gröszers künstlerische Schlachten geschlagen werden. Der fleischlich auswuchernde Fruchtbarkeitskörper des Weiblichen – der gewaltbereite, Gewalt ausübende männliche Körper. Diese Körper bewegen sich unterhalb und außerhalb der Demarkationslinien zivilisatorischer Geruchsempfindlichkeit. Sie sind – in einem durchaus alttestamentarischen Verständnis – ein Fleisch, ein gewordenes, ein in die Welt geworfenes. Ihr Geschlecht ist biologisch-anarchischen Ursprungs (sex) – die Ableitung aus dem kulturellen Diskurs (gender) eine sekundäre. Entsprechend zeigen sich diese Körper mehr, als dass sie sich verhalten. Sie sind ganz Gegenwart. Ihre Psychologie ist deckungsgleich mit ihrer Erscheinung. Das gilt vor allem für die weiblichen Körper-Figuren Gröszers und ihre leibliche Präsenz. Ihrer fleischlichen Fülle scheint die biblische Formel der Erkenntnis eingeschrieben zu sein - als Vereinigung mit dem Bildträger und dem Auge des Betrachters. Die Erkenntnis des Fleisches adelt den Körper zum Leib und macht ihn erst welthaltig. Die Topographien des Körpers, die Gröszer entwirft, verorten und verräumlichen diesen nicht nur (bisweilen erinnern seine Körperdarstellungen an mythische Landkarten oder Traumpfade), sondern geben ihn auch der Verletzung preis: der verzweifelten Wollust schierer Fleischesfülle und dem unentrinnbaren Schmerz physischer Gebundenheit. Velten Wagner |
Klischeestadt vs. Schützengraben Marc Gröszer probt die Unterbrechung des kunstmusikalischen Wehklagens, den Ausbruch. „Umso mehr ich mich fertig mache, desto besser werd’ ich. Denn alles strebt nach Zersetzung.“, auf die Atelierwand gekritzelt, könnte seine Maxime sein. „Nasenbluten“, „Mogadischu“, „Ichtopographie“, „Bewaffnet“, „Hindukusch“ - diese oft nachtschweren Totengeläute, sind eigentlich keine Bilder, sondern vielmehr Wutausbrüche gegen die Beschränktheit, die Trägheit des Herzens, gegen die Todsünde des Durchwurschtelns. Sie rocken mit düsterem Ton die gleichgeschaltete Berliner Bescheidwisserszene in ihrer Verliebtheit in Comic-Bla-Bla und cremefarbene Oberflächenästhetik. Ob sein Bildpersonal aus Partisanen oder schlichtweg Durchgeknallten, aus Helden oder Freaks besteht, ist schwer zu entscheiden. Auf jeden Fall sind es Todesmutige, Maniker, die die Welt aus den Klauen des Opportunismus zu befreien suchen. Damit steht er in einer längst vergessenen Traditionslinie deutscher Kunst, die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den künstlerischen Flirt mit der proletarischen Linken anzettelten und gleichzeitig (allerdings von der Bewegung völlig unverstanden) bei den jungen Kräften heutiger Antirepression. Natürlich sind seine Bilder keine Handlungsanweisungen, gerade weil sich Marc Gröszer eingehend mit Theorie und Geschichte des Anarchismus, mit Fragen von Gesellschaftskritik und Terror befasst hat. Kompositorisch und inhaltlich bleibt da immer ein unkalkulierbarer Rest, der sich in kein ideologisches Korsett pressen lässt. Der Ich-bezügliche schwarze Faden des Einzelkämpfertums hat sich aus seiner melodiösen Umklammerung gelöst und ist zur zeichnerischen Linie geronnen, die erneut die Schutthalden der Geschichte umkreist. Gröszers Bildpersonal hat die Klischeestadt mit dem Schützengraben, dem Drahtverhau, dem Unterstand, dem Bunker vertauscht. Ein „Wüstenfuchs“ ist bei ihm kein siegreicher Krieger, sondern ein bandagierter, verblockter, behinderter Verlierer. Aus diesem nach allen Seiten hin ungeschützten und angreifbaren Versteck heraus unterminiert er die leidenschaftslose jenseitige Welt des Immergleichen und die Herrschaft des dummen Vorurteils. Während seine Generationsgenossen mit ihrem Willen zur Willenlosigkeit sich mehrheitlich für das Erlöstsein von der Leidenschaft, von sich selbst also, und für die ewige Ruhe entschieden haben, beharrt Gröszer auf abendländischer Individualitäts- und Leidenschaftsmitgift. Gröszers Bilder müssen dunkel sein, sie dürfen nicht über die Glattgelecktheiten der dumpfen Masse triumphieren, weil sie sonst ihres revoluzzerhaften Zorns, ihrer philanthropischen Misanthropie verlustig gingen. Christoph Tannert |
City of clichés vs. the trench Marc Gröszer is daring to break with and break free of artistic and musical lamentation. Consider if “All things are continually decaying and so the more I mess myself up, the better I will become” were scrawled on the wall of an atelier – that could be Gröszer’s maxim. “Nasenbluten (Nosebleed)”, “Mogadischu (Mogadishu)”, “Ichtopographie (Ego topography)”, “Bewaffnet (Armed)”, “Hindukusch (Hindu Kush)” – these dark-as-night death knells are not so much paintings, they are more like tantrums that protest against being boxed in and limited, against the lethargy of the heart, and against the mortal sin of simply muddling through life. With their sombre mood, they shake up the sheepish, monotonous Berlin in-crowd and its preference for throw-away comicspeak and pleasant superficiality. However, his pictures don’t tell us how we should act, and this is precisely because Marc Gröszer has carefully studied the theory and history of anarchism and considered matters relating to social criticism and terrorism. In terms of composition and content, there are always additional indefinable elements which can’t be pinned down or forced into any ideological pigeon hole. The egocentric line of the lone warrior has been removed from its melodious surroundings and has been transformed into a line which circles around the detritus of history. The cast of Gröszer’s works have swapped the city of clichés for the trench, barbed wire, the dugout and the bunker. To him, a “desert fox” is no victorious warrior, but rather a bandaged, battered, disabled loser. Even though his contemporaries seem to have spinelessly opted en masse for an escape from passion, and ultimately for an escape from themselves, and seem to prefer to be just left in peace, Gröszer insists on the western dowry of individuality and enthusiasm. Christoph Tannert |
