On Paper
installation views
Michael Dean
Laetitia Gendre
Gitte Schäfer
Amélie Grözinger
Philip Grözinger
Rapedius/Rindfleisch
Olivia Seiling
Pressemitteilung
Der Titel ‚On Paper’ impliziert auf den ersten Blick ein Verständnis von Papier als Oberfläche, als ein bloßer Träger von Zeichnungen, Gedanken oder Ideen. Erst beim zweiten Hinsehen scheint die Formulierung auch aus einem anderen Zusammenhang bekannt: dem Wissenschaftlichen und damit dem Nachdenken über Papier.
Die erste schriftliche Abhandlung über Malerei in der Renaissance trägt genau diesen Titel: ‚Über die Malkunst’ (De Pictura, 1435) und stammt von Leon Battista Alberti; auch Susan Sontags ‚On Photography’ von 1977 sei hier am Rande erwähnt.
Die Arbeiten, die in der Ausstellung ‚On Paper’ versammelt sind, bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Papier als Material einerseits und einer Haltung, die das Medium der Zeichnung reflektiert und erweitert.
Die Ausstellung konzentriert sich auf Arbeiten, die zum einen aus Papier sind und sich mit seiner Materialität, seiner Fragilität und Alltäglichkeit beschäftigen. Zum anderen zeigt sie Werke, die ihren Ursprung im traditionellen Medium des Papiers, der Zeichnung, haben und für die Trägerfunktion von Papier stehen. Zeichnung wird hier jedoch nicht als künstlerisches Endprodukt verstanden, sondern medienübergreifend weiterentwickelt.
Die Integration von Film, Installation, Performance und Text ermöglichen die Weiterentwicklung eines traditionell zweidimensionalen Mediums hin zum Räumlichen und Performativen.
Thomas Fischer
Bei der Herstellung ihrer Wandobjekte bedient sich Amélie Grözinger der Technik des Faltens und damit der zunächst einfachsten Methode, um ein flaches Blatt Papier in eine Körper zu verwandeln.
Ihre streng geometrischen Körper verweisen auf die japanische Papierfaltkunst Origami und entwickeln sich schnell zu komplexen Gebilden, die aus einem Grundelement zusammengesetzt sind. Das Ineinandergreifen verschiedener Formen und die Darstellung mathematischer Körper erinnern an die Elfenbeindrechselkunst der Renaissance, wie sie wegen ihrer erstaunlichen Kunstfertigkeit in Kuriositätenkabinetten gesammelt wurde.
Auch in Gitte Schäfers Arbeit ‚Erpaco’ findet sich eine ziehharmonikaartige Faltung, die ihre leuchtend
rote und blaue Papiercollage in den Raum ausdehnt. Eine ähnliche Faltung kehrt in der Arbeit ‚Ando’ wieder. Wie eine Jalousie legt sich das geknickte Papier über ein imaginäres Bild, das am unteren Bildrand als Photogravur ausgegeben wird, und beschreibt eine Geste des Verbergens.
Rapedius/Rindfleisch nutzen Papier in Form industriell gefertigter Produkte wie Pappbecher, Kartons oder Zeichenblöcke, aus denen sie fragile und modellhafte Werke entwickeln. Bei ihren Kakteen wird der Papierblock nicht in seiner ursprünglichen Funktion als Träger einer Zeichnung verwendet. Entlang einer feingliedrigen Linie beschnitten, verwandelt sich das flache Material in plastische Körper, an denen Spuren dieses Prozesses erkennbar bleiben.
Olivia Seilings Installation steht für einen filmischen wie performativen Exkurs zum Thema Zeichnung.
In einem Miniaturkino ist eine Frau mit einem ballonartigen Gebilde zu sehen, einer Form zwischen Kopfschmuck und Kissen aus Papier, über deren Bewegungen sich die Geräusche von raschelndem Papier legen.
Michael Deans Arbeiten durchlaufen eine Reihe von Transformationsprozessen, bevor sie als Objekte Gestalt annehmen. Ausgangspunkt dieser Metamorphosen sind meist Texte, die von ihm selbst verfasst sind. Die geknüllten und scheinbar achtlos auf den Boden geworfenen Papiere in der Ausstellung sind als Fotokopien zu erkennen, erst auf den zweiten Blick erschliessen sie sich als Gesteinsformationen, die Dean aus Abbildungen ausgeschnitten und zu Flächen collagiert hat. Erst durch die destruktive Handlung des Knüllens nähern sie sich wieder ihrer ursprünglichen Gestalt an.
Das Spiel mit unterschiedlichen Ebenen und Perspektiven des Betrachtens prägt die Arbeit von Laetitia
Gendre. Ihr Objekt einer Leinwand, deren Zentrum ausgerissen ist, lässt sich als Bild ebenso lesen
wie als Objekt, das mit der Wand und dem Raum dahinter interagiert und in dem sich realer und fiktionaler
Raum überlagern.
Die beiden Bücher von Philip Grözinger sind aus den Jahren 2003 und 2005. Im Druckverfahren des Linolschnitts sind sie in einer nur sehr kleinen Auflage entstanden.











